Waldbrand: DFV-Fachempfehlung (2008)

Lensahn, den 23.07.2018

(KFV OH) Die anhaltende Trockenheit war für den Deutschen Feuerwehrverband Anlass, die Fachempfehlung „Sicherheit und Taktik im Waldbrandeinsatz“ zu aktualisieren. Die Fachempfehlung basiert auf der Fassung aus dem Jahre 2009 und wurde an vielen Stellen erweitert, geprüft und an den Stand der Technik angepasst.


Archivbild: Flächenbrand auf Fehmarn (2010)/ Nyfeler

Die Fachempfehlung gibt z.B. Hinweisezum Einfluss von Vegetation, Gelände, Meteorologie, zu taktischen Prioritäten, zu Einsatz von Luft– und Löschfahrzeugen, zum Einsatz von Löschmannschaften, zur persönlichen Schutzausrüstung, zur Hitzeerschöpfungzum Einsatz von Arbeits– und Löschgeräten sowie zu Sicherheitsregeln.

Auszugsweise stellen wir nachfolgend einige Passagen dar:

Allgemeine Hinweise

Bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden handelt es sich im Regelfall um einen Einsatz zum Erhalt der Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion von Wäldern, Busch- bzw. Heideflächen oder landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Taktische Prioritäten


Im Gegensatz zur Bekämpfung von Gebäudebränden liegt die erste Priorität bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden in der schnellst möglichen Eingrenzung des Brandes. Ein komplettes sofortiges Ablöschen der gesamten Fläche ist in den sel- tensten Fällen möglich und zunächst auch nicht von oberster Priorität.

Die Eingrenzung des Brandes sollte mit der Bekämpfung der Feuerfront bzw. Aufrollen der Flanken beginnen, sofern dies wegen der Brandintensität ohne Eigengefährdung möglich ist. Andernfalls muss an einer taktisch günstigen Stelle (günstig bzgl. Vegetation und Gelände) versucht werden, die Feuerfront anzuhalten.

Der Schutz von Objekten (Gebäude, Installationen etc.) hat Vorrang. Bei Gebäuden sind vor Eintreffen einer Feuerfront alle Fenster und Türen zu verschließen, besondere Brandlasten um die Gebäude (Büsche, Kaminholz, Fahrzeuge) sind zu entfernen.

Einsatz von Löschfahrzeugen

Insbesondere in der frühen Phase von Wald- und Flächenbränden gilt, dass mit dem vorhandenen Wasser äußerst effizient umgegangen werden muss. Wenn Wasser mit einer unnötig hohen Applikationsrate ausgegeben wird, ist der Löschwasservorrat zu schnell aufgebraucht.

Für das Ablöschen von Bodenfeuern kann eine Vornahme von C- und D-Rohren durchaus ausreichen (grundsätzlich Sprühstrahl).

Mit Wasser aus Strahlrohren sollen nur Brandabschnitte mit offenen Flammen und einer intensiven Flammenentwicklung bekämpft werden. Ein komplettes Ablöschen und Nachlöschen des Feuersaumes wird erst in einem späteren Schritt mit einem weiteren Löschfahrzeug oder Löschmannschaften möglich sein.

Beim Überfahren von Feuersäumen können Steuerungs- oder Versorgungsleitun- gen (zum Beispiel Druckluft, Kraftstoff, Hydraulik) des Fahrzeuges beschädigt werden und das Fahrzeug somit auf dem Feuersaum stehen bleiben. Für eine solche Art der Brandbekämpfung muss das Fahrzeug daher technisch besonders ausgelegt sein. Man sollte bis zum sicheren Feststellen des Gegenteils davon ausgehen, dass die (Lösch-) Fahrzeuge ungeschützt gegen Flammeneinwirkung sind!

Sofern man einen Brand von hinten, das heißt von der verbrannten Seite her, be- kämpft, muss vor dem eigentlichen Löscheinsatz erst der (Auf-) Stellplatz des Fahrzeuges abgelöscht werden.

Wenn keine sichere Wendemöglichkeit in einem Waldweg oder einer Gebäudezu- fahrt vorhanden ist oder im Zuge des Einsatzes direkt mit geschaffen werden kann, muss rückwärts eingefahren werden, um notfalls einen schnellen Rückzug anzutre- ten.

Zur Eigensicherung sollte es immer möglich sein, ein weiteres C- oder D-Rohr bzw. das S-Rohr vorzunehmen – daher sollten nicht alle Druckabgänge belegt und immer etwa 300 bis 400 Liter Wasser im Tank zurückgehalten werden.

Wird das Feuer frontal angegriffen, sollte das Fahrzeug in Fluchtrichtung stehen. Wegen der schnelleren Lösbarkeit der Schlauchkupplungen vom Fahrzeug im Falle eines Rückzuges sollten Rollschläuche eingesetzt werden oder die Rohre über ei-nen Verteiler vorgenommen werden.

Feuersäume mit intensiver Flammenbildung (Flammen länger als etwa zwei Meter) sollten von nicht speziell ausgebildeten Einsatzkräften vor allem bei mangelnder Löschwasserversorgung nicht frontal angegriffen, sondern von hinten oder seitlich der Flanken her aufgerollt werden. Damit wird die Gefahr minimiert, von Teilen des Feuersaumes eingeschlossen zu werden.

Speziell für die Waldbrandbekämpfung ausgerichtete Tanklöschfahrzeuge sollten Löschwasser dosiert während der Fahrt abgeben können („pump and roll“) und über eine angemessene Geländegängigkeit verfügen.

Kleine wendige Tanklöschfahrzeuge oder speziell entwickelte Waldbrandtanklöschfahrzeuge sollten als Angriffsfahrzeuge, große und schwere Tanklöschfahrzeuge als Zubringerfahrzeuge genutzt werden.

Lassen Sie niemals Fahrzeuge mit heißen Abgasanlagen auf trockenen Feldern oder ähnlichem stehen!




Sicherheitsregeln

Für jeden Einsatz bei größeren Wald- und Flächenbränden empfehlen sich allgemein gültige Sicherheitsregeln:

- Nur einheitenweise vorgehen.
- Maximaler Abstand der Einsatzkräfte: in Sichtweite zur nächsten Einsatzkraft.
- Je eingesetzter Einheit mindestens ein Funkgerät.

Beobachtungsposten stellen

An jedem Einsatzabschnitt sollte ein unabhängiger Beobachter stehen, der bei plötzlichen Wetteränderungen (Wind) oder Brandinseln das eingesetzte Personal warnt.

Kommunikation sicherstellen

Eine Verbindung zur Einsatzleitung und innerhalb der Einheit ist bei Wald- und Flä- chenbränden äußerst wichtig. Besteht sie nicht, ist die Gefahr groß, von plötzlichen Lageänderungen überrascht zu werden.

Flucht-/Rettungsweg sicherstellen

Jeder Einsatzabschnitt muss über einen vorher ausgesuchten Rettungsweg verfü- gen. Dieser Rettungsweg muss allen Einsatzkräften bekannt sein, sollte möglichst brandlastarm sein und zu einer Sicherheitszone führen.

Sicherheitszone

Eine Sicherheitszone ist ein Bereich, in dem die Einsatzkräfte ohne weitere Schutz- maßnahmen vor einem Feuer in Sicherheit sind und ein Feuersaum die Einsatz- kräfte nicht gefährdet. Dies kann eine Straße, ein felsiges Gebiet oder ein Gewässer sein. Notfalls muss dieser durch Entfernen von Vegetation geschaffen werden.


Die Fachempfehlung des DFV finden Sie hier.

(DFV/ Dirk Prüß)